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Erdähnlicher Planet

So stellt sich ein Künstler
einen erdähnlichen Planeten
vor, auf dem Leben
existieren könnte.
(Bild: NASA/JPL)

Wo Raubvögel fliegende Wale jagen

Eine Gruppe von Wissenschaftlern machte sich Gedanken darüber, wie außerirdisches Leben aussehen könnte. Sie erfanden Schluckschweine und fliegende Wale.

Außerirdische hat jeder schon einmal gesehen - zumindest im Kino in diversen Science-Fiction-Filmen. Dabei ist den meisten dieser "Hollywood-Aliens" eines gemeinsam: Sie ähneln in gewisser Weise uns Menschen. Im Rahmen der Ausstellung "Science of Aliens" im Londoner Science-Museum, die im Oktober eröffnet wird, wollen Wissenschaftler nun zeigen, dass außerirdisches Leben auch deutlich anders aussehen kann.

Das Wissenschaftler-Team, zu dem auch der in Fachkreisen bekannte Cambridger Anthropologe Simon Conway-Morris gehört, hat sich für die Ausstellung bemüht, wissenschaftlich fundiert zu spekulieren, wie Leben unter den Bedingungen aussehen könnte, die man auf fernen Welten vorfinden würde. Dabei hatten die Forscher ein Problem: Bis heute hat man noch keinen Ort außer der Erde entdeckt, auf dem sich zweifelsfrei Leben hat nachweisen lassen. Und unter den über 150 extrasolaren Planeten, die man inzwischen mit groß angelegten Studien um ferne Sonnen aufspüren konnte, befinden sich ausschließlich Welten, die nicht sonderlich wohnlich sein dürften. Überwiegend sind es Gasriesen von der Größe des Jupiter, die in engen Bahnen um ihr Zentralgestirn kreisen.

Kontakt wahrscheinlich unwahrscheinlich?

Eine zweite Erde hat man bislang genauso wenig aufspüren können, wie auch nur irgendein Signal einer fernen Intelligenz. Zwar suchen Wissenschaftler im Rahmen der SETI (Search for Extraterrestrial Intelligence)-Forschung schon seit vielen Jahren nach verräterischen Signalen aus dem All, doch blieb die Suche trotz Einsatz des größten Radioteleskops der Welt bislang erfolglos.

Manche Astronomen überrascht das nicht: Die meisten halten es zwar für durchaus möglich, dass sich bei der großen Anzahl von Sonnensystemen, die es in unserer Milchstraße gibt, tatsächlich irgendwo intelligentes Leben entwickeln konnte. Die Wahrscheinlichkeit aber, Kontakt mit diesen fremden Wesen aufnehmen zu können oder auch nur eine Botschaft zu empfangen, halten viele für äußerst gering. Zu groß sind die Entfernungen und zu gering ist die Chance, dass eine andere Zivilisation gerade gleichzeitig mit uns ein Stadium erreicht hat, in dem sie sich Gedanken über andere Wesen da draußen macht. Was hätte es beispielsweise genutzt, wenn vor nur 100 Jahren eine außerirdische Botschaft die Erde erreicht hätte? Niemand hätte sie bemerkt.

Bleibt also die wissenschaftliche Spekulation, zu was die Natur nach dem Prinzip von Auslese und Anpassung auf fremden Welten fähig wäre. Das Forscherteam erfand für ihr Szenario zwei sehr unterschiedliche Lebensräume für Außerirdische: den Planeten Aurelia und den "Blauen Mond".

Schluckschweine auf Aurelia

Aurelia ist eine Welt, die man zunächst für lebensfeindlich halten würde: Sie umrundet ihre Sonne, einen roten Zwergstern, in großer Nähe. Rote Zwergsterne sind Sterne, die eine deutlich geringere Masse haben als unsere Sonne und die in unserer Galaxie noch wesentlich häufiger vorkommen als sonnenähnliche Sterne. Da ein roter Zwergstern weniger Wärme ins All ausstrahlt, müssen Planeten auf denen sich Leben entwickeln kann, in einem sehr engen Orbit um sie kreisen. Dadurch würden sie aber, so die Gesetze der Himmelsmechanik, in eine so genannte gebundene Rotation geraten, was dazu führen würde, dass eine Seite des Planeten, ganz wie unser Mond, immer zur Sonne zeigt.

Auf dem hypothetischen Planeten Aurelia würde es also keine Jahrzeiten und auch nicht Tag und Nacht geben. Eine Seite der fernen Welt wäre in dickes Eis gehüllt, während es auf der anderen Hälfte des Planeten immer taghell und warm wäre. Hier könnte es Wasser geben, das in riesigen Flüssen und Seen die Landschaft bestimmt. Und Wasser bedeutet Leben: Ein Bewohner von Aurelia könnte etwa das "Gulphog" sein, was man etwa mit Schluckschwein ins Deutsche übersetzen könnte. Es ist fünf Meter hoch, hat zwei starke Beine, einen langen dicken Hals, einen kleinen Kopf und kann sich mit einer Geschwindigkeit von über 50 Kilometern pro Stunde fortbewegen. Diese Lebewesen, die irgendwie an eine Giraffe erinnern, würden sich von "Mudpods" ernähren, sechsbeinigen Kreaturen, die über den Planeten huschen und in unterirdischen Höhlen leben.

Fliegende Wale auf dem blauen Mond

Da fast alle Planeten, die bislang entdeckt wurde, Gasriesen sind, auf denen sich kaum Leben entwickeln dürfte, erfanden die Forscher auch den "Blauen Mond". Er kreist um einen Riesenplaneten der Größe Jupiters und ist selbst etwa so groß wie die Erde. Die dicke Atmosphäre aus Sauerstoff und Kohlendioxid ermöglicht es hier auch großen Tieren, sich in die Lüfte zu erheben. Beispielsweise den "Himmelwalen", die mit ihren zehn Meter großen Flügeln die gute Thermik der Atmosphäre ausnutzen. Gejagt werden diese gemächlichen Riesen von Adler-ähnlichen Raubtieren. Die Wälder des "Blauen Mondes" bestehen aus drei Kilometer hohen Bäumen.

So merkwürdig diese Kreaturen auch aussehen mögen, legen die Forscher doch Wert darauf, dass ihre Existenz auf diesen Phantasiewelten Prinzipien folgt, die auch auf der Erde zur Entstehung der heute bekannten Lebensformen führten: Die natürliche Auslese begünstigt immer jene Lebewesen, die sich am besten an die Umweltbedingungen anpassen können.

Erschienen bei: freenet.de am 16. September 2005

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