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Ein Raumschiff könnte durch
Gravitation einen Asteroiden
von seinem Kollisionskurs
ablenken. (Bild: Dan Durda /
B612-Foundation) |
Asteroid im Schlepptau
Astronomen haben einen Plan entwickelt, wie man
einen bedrohlichen Asteroiden ablenken könnte – mit einem
Gravitations-Traktorstrahl.
Irgendwann ist es soweit: Astronomen werden einen
Asteroiden entdecken, der auf die Erde zusteuert. Was soll dann geschehen?
Konkrete Planungen für den Fall der Fälle gibt es bislang nicht. Doch nun haben
sich Wissenschaftler der B612-Foundation über eine Abwehrstrategie Gedanken
gemacht: Sie wollen einen Asteroiden mit einem Raumschiff ins Schlepptau nehmen
– mit einem Gravitations-Traktorstrahl.
Der Schaden, der ein Einschlag eines Asteroiden anrichten kann, reicht von einer
globalen Klimakatastrophe bis hin zu lokalen Verwüstungen. Doch allein die
Aussicht, dass ein Brocken von vielleicht nur 200 Metern Durchmesser in ein
bevölkerungsreiches Gebiet stürzt, dürfte manchem den Atem stocken lassen. Um
genau ein solches Ereignis zu verhindern, sucht die NASA seit einigen Jahren den
Himmel systematisch nach potentiell gefährlichen Himmelskörpern ab. Die
Wissenschaftler der B612-Foundation beschäftigen sich mit dem nächsten logischen
Schritt: Die nach dem Asteroiden aus dem Roman "Der kleine Prinz" benannten
Gruppe will detaillierte Konzepte entwickeln, um im Falle eines Falles
Gegenmaßnahmen ergreifen zu können. Und Gegenmaßnahmen bedeutet für sie, den
Asteroiden ein wenig von seiner Bahn ab- und somit an der Erde vorbeizulenken.
Die aus Hollywood-Spielfilmen bekannten Konzepte, den Asteroiden einfach zu
sprengen, sind dabei nach Ansicht der Astronomen alles andere als geeignet, die
Erde vor einer Katastrophe zu bewahren. "Wir wissen einfach zu wenig über die
Struktur der Asteroiden, um vorhersagen zu können, ob eine Explosion erfolgreich
sein kann oder aber die Situation nur noch schlimmer macht", meint der
NASA-Astronaut Edward Lou, einer der Mitglieder der B612-Foundation in einem
Gespräch mit dem Wissenschaftsmagazin Nature. "Wir brauchen etwas, was
vorhersagbar ist." Zusammen mit seinem Kollegen Stanley Love hat Lu nun eine
Strategie entwickelt, die er für erfolgsversprechender hält: Ein Raumschiff soll
die Bahn des Asteroiden langsam verändern und zwar nur durch seine
Gravitationskraft.
Will man den Asteroiden nämlich nicht in kleine Teile sprengen, muss man den
Brocken rechtzeitig ablenken: Je weiter der Asteroid von der Erde entfernt ist,
desto geringer muss die Ablenkung sein. Doch wie stellt man das an? Man könnte,
so eine Idee der Forscher, natürlich eine Art Triebwerk auf dem Brocken
installieren, das durch einen beständigen Schub die Bahn des Asteroiden ändert.
Doch das ist nicht so leicht wie auf den ersten Blick gedacht: Viele Asteroiden
scheinen recht porös zu sein, so dass es nicht trivial ist, ein Triebwerk auf
dem Asteroiden fest zu verankern. Und es gibt noch ein größeres Problem: Die
meisten Asteroiden drehen sich um ihre eigene Achse, so dass man das Triebwerk
ein- und wieder ausschalten müsste, um eine ständige Ablenkung in eine Richtung
zu erreichen. Und vorhersagbarer wird der Ausgang der Aktion durch diese
Unwägbarkeiten auch nicht.
Ablenkung durch Gravitations-Traktorstrahl
Lu und Love schlagen daher eine andere Strategie vor: Sie wollen ein Raumschiff
über dem Asteroiden positionieren, das mit seinen Triebwerken gerade so viel
Schub aufbringt, dass es nicht von dem Brocken angezogen wird. Die Triebwerke
wären dabei so montiert, dass sie nicht auf die Oberfläche des Asteroiden
gerichtet sind. Wie der Asteroid beschaffen ist oder ob er rotiert, ist bei
dieser Methode vollkommen egal. Die Masse des über dem Asteroiden schwebenden
Raumschiffes aber lenkt den Brocken ganz leicht ab. Die beiden Forscher haben
berechnet, dass ein Raumschiff mit einer Masse von 20 Tonnen einen Asteroiden
mit einem Durchmesser von 200 Metern innerhalb eines Jahres ausreichend ablenken
könnte, wenn man nur lange genug vorher, im diesem Beispiel etwa 20 Jahre,
Bescheid weiß.
Auch im Falle des Asteroiden 99942 Apophis, der Ende Dezember letzten Jahres für
Aufregung sorgte, ist frühes Handeln vielleicht besser und billiger: Der
Asteroid wird 2029 die Erde zwar ganz knapp verfehlen, könnte aber bei diesem
Vorüberflug so abgelenkt werden, dass er bei einem der nächsten Begegnungen
sechs oder sieben Jahre später unserer Heimat gefährlich wird.
Ob Apophis durch seine Begegnung 2029 auf Kollisionskurs gerät oder nicht, ist
noch nicht vorherzusagen. Sollte es aber eine Gefährdung geben, könnte eine
geringe Ablenkung des Asteroiden einige Jahre vor der dichten Begegnung 2029
jede Gefahr für die Folgejahre abwenden - und das schon mit einem relativ
kleinen Raumschiff, das nur kurze Zeit über dem Asteroiden schweben müsste.Erschienen bei: freenet.de am
18. November 2005 |
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