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Planet um Gliese 876

So stellt sich ein Künstler den
neu entdeckten Planeten um
Gliese 876 vor. (Bild: Trent
Schindler, NSF)

Großer Cousin der Erde entdeckt

Amerikanische Astronomen haben in 15 Lichtjahren Entfernung den bislang erdähnlichsten unter allen entdeckten Planeten aufgespürt. Innerhalb weniger Jahre hoffen die Forscher nun, eine zweite Erde zu finden.

Über 150 Planeten um ferne Sonnen haben verschiedene Teams von Planetenjägern bereits entdeckt, doch eine zweite Erde war bislang nicht darunter. Das hat einen einfachen Grund: Die Methode, die zur Entdeckung von extrasolaren Planeten verwendet wird, ist noch nicht empfindlich genug, um so kleine Welten wie die Erde aufzuspüren: Alle bislang entdeckten Planeten waren größer als der Eisriese Uranus – und der ist rund 15-Mal massereicher als die Erde. Doch neue Instrumente haben die Entdeckung einer zweiten Erde inzwischen in greifbare Nähe rücken lassen und ein Astronomenteam aus Kalifornien konnte nun den ersten Erfolg melden: Es spürte den erdähnlichsten Planeten auf, der bislang entdeckt wurde. Er umkreist zusammen mit zwei anderen jupiterähnlichen Planeten die kleine Sonne Gliese 876 in rund 15 Lichtjahren Entfernung. Gliese 876 liegt im Sternbild Wassermann.

Heiße Welt ohne Leben

Der neu entdeckte Planet hat etwa die siebeneinhalbfache Masse der Erde und einen doppelt so großen Durchmesser. Er dürfte der erste Planet sein, der in seiner Zusammensetzung den inneren Planeten unseres Sonnensystems ähnlich ist. Die bislang entdeckten Exoplaneten ähnelten mehr den Gasriesen Saturn und Jupiter. "Wir kommen mit der Empfindlichkeit unserer Instrumente immer näher in den Bereich, der es uns ermöglicht, eine zweite Erde zu finden", erläutert Steven Vogt, Astronomie-Professor an der Universität von Kalifornien in Santa Cruz.

Die neu entdeckte "Super-Erde" unterscheidet sich allerdings in einigen Punkten dramatisch von dem uns bekannten "blauen Planeten": So umkreist die ferne Welt seine Sonne in gerade einmal zwei Tagen und ist dieser so nah, dass auf der Oberfläche des Planeten Temperaturen zwischen 200 und 400 Grad Celsius herrschen dürften. Leben wie wir es kennen, wird hier kaum möglich sein.

Doch allein die Tatsache, so einen kleinen Planeten entdeckt zu haben, macht die Forscher zuversichtlich, dass sie auch bald eine wirkliche zweite Erde finden: „Dies ist der kleinste extrasolare Planet, den wir bislang entdeckt haben und der erste einer neuen Klasse von Planeten, die aus Gestein bestehen wie unsere Erde“, so Paul Butler von der Carnegie Institution of Washington, der zu den Pionieren unter den Planetenjägern gehört. „Er ist wie ein großer Cousin der Erde.“ Das Team errechnete für die ferne Welt eine Mindestmasse von 5,9 Erdmassen. Ein Jahr auf dem Planeten, also eine Umrundung der fernen Sonne, dauert gerade einmal 1,94 Tage. Die Entfernung des Planeten zu seiner Sonne beträgt nur rund drei Millionen Kilometer.

Jahrelanger Verdacht bestätigte sich

Gliese 876, der Stern, um den sich der Cousin der Erde dreht, ist ein so genannter M-Zwerg, der am häufigsten vorkommende Sternentyp in unserer Milchstraße. Er hat ein Drittel der Masse unserer Sonne und ist der kleinste Stern, um den bislang Planeten entdeckt wurden. Den ersten Planeten im Gliese 876 entdeckten die kalifornischen Planetenjäger 1998. Es handelte sich um einen Gasriesen mit etwa der doppelten Masse des Jupiter. 2001 spürten sie dann einen zweiten Planeten um die ferne Sonne auf, diesmal einen mit rund der halben Jupitermasse.

Bei der Suche nach extrasolaren Planeten machen sie sich die Astronomen die Tatsache zu Nutze, dass jeder Planet beim Umlauf ein wenig an seinem Zentralgestirn zerrt und so für ein leichtes Wackeln sorgt. Dieses Wackeln kann man von der Erde aus erkennen. Es ist entsprechend der Umlaufperiode des Planeten periodisch. Wenn man es aber mit mehreren Planeten zu tun hat, ist es relativ schwierig, die einzelnen sich überlagernden Perioden auseinander zuhalten. Und genau bei dieser Aufgabe kam den Astronomen vor einigen Jahren ein Verdacht: Aus den Beobachtungen und der bekannten Bewegung der zwei bereits entdeckten Planeten um Gleise 876 folgerten die Forscher, dass es eventuell noch einen dritten Planeten geben könnte. Allerdings war das Datenmaterial nicht ausreichend, um sich wirklich sicher zu sein.

Dieses änderte sich mit einem neu installierten Instrument am Keck-Teleskop auf Hawaii. Die Empfindlichkeit wurde um den Faktor drei erhöht, wodurch die Forscher Datenmaterial gewinnen konnten, das den schon vermuteten dritten Planeten um Gleise 876 bestätigt. Und nicht nur das: "Mit dieser Empfindlichkeit sollten wir einen in jeder Beziehung erdähnlichen Planeten innerhalb der nächsten Jahre entdecken können", hofft Butler.

Erschienen bei: freenet.de am 15. Juni 2005

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  Letzte Überarbeitung: 14.11.2008

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