 |

Entstand der "Mann im
Mond" durch einen
gewaltigen Einschlag
auf der erdabgewandten
Seite des Mondes?
Foto: NASA |
So entstand der Mann im Mond Der Mann im Mond
ist schon seit Jahrhunderten bekannt. Wie er entstanden ist, wusste man aber
bislang nicht. Könnte ein gewaltiger Einschlag auf der abgewandten Seite des
Mondes verantwortlich gewesen sein?
Lange haben Forscher gerätselt, wie der "Mann im Mond" entstanden ist, eine
Formation von dunklen Flächen auf der Mondoberfläche, die irgendwie an einen
Smiley erinnert. Jetzt fanden amerikanische Wissenschaftler Hinweise darauf,
dass ein gewaltiger Einschlag auf der erdabgewandten Seite des Mondes dafür
verantwortlich sein könnte.
Die frühen Apollo-Missionen brachten einen überraschenden Sachverhalt über
unseren Trabanten ans Licht: der Mond ist nicht wirklich rund. Auf der von der
Erde aus sichtbaren Seite ist er ein wenig ausgebeult, auf der erdabgewandten
Seite ein wenig eingedellt. Lange Zeit haben Forscher daher vermutet, dass diese
Form des Mondes auf den Einfluss der Anziehungskraft der Erde zurückzuführen
ist. Doch nun fanden Laramie Potts und Ralph von Frese von der Ohio State
University Hinweise darauf, dass sich diese eigentümliche Form durch einen
gewaltigen Einschlag auf dem Mond erklären lassen könnte.
Die Forscher hatten Daten der Mondsonden "Clementine" und "Lunar Prospector"
ausgewertet, um mehr über das Innere unseres Trabenten zu erfahren. Dabei
suchten sie im Mondinneren nach Spuren von Einschlägen, die zu den sichtbaren
Kratern gehören, die man auf der Oberfläche sehen kann. Der innere Aufbau des
Mondes besteht im Wesentlichen aus drei Bereichen: Im Zentrum befindet sich ein
Metallkern, außen gibt eine dünne Kruste und dazwischen liegt der so genannte
Mantel.
Spuren der Einschläge erwarteten die Forscher nur in der Kruste und im Mantel.
Zunächst sah es auch ganz so aus, als würden die Daten genau dies ergeben. Doch
dann entdeckten sie zu ihrer Überraschung eine merkwürdige Beule. Direkt unter
einem Krater auf der erdabgewandten Seite des Mondes in über 1.000 Kilometern
Tiefe, schien der Mantel eine Beule zu haben, die in den Mondkern hineinreichte.
"Normalerweise geht man nicht davon aus, dass ein Einschlag auf der Oberfläche
bis zum Mondkern reicht", so von Frese.
Doch damit nicht genug: Auf der "anderen Seite" des Kerns und damit auf der
erdzugewandten Seite fand sich auch eine Beule. Doch diesmal beulte sich der
Kern in den Mantel aus. Es sah also genau so aus, als ob Kernmaterial des Mondes
von der erdabgewandten Seite auf die erdzugewandte Seite gedrückt worden war.
Über dieser Beule des Mondkerns fanden sich ein aufgewölbter Mantel und
schließlich eine Ausbuchtung auf der Mondoberfläche.
Gewaltiger Einschlag vor vier Milliarden Jahren
Für die Wissenschaftler aus Ohio kann dies kein Zufall sein: Ein großer
Asteroid, so ihre Schlussfolgerung, muss den Mond auf der erdabgewandten Seite
vor langer Zeit getroffen haben. Dadurch wurde eine Stoßwelle erzeugt, die durch
den Mondkern zur anderen Seite des Mondes lief. Ein ähnliches Ereignis könnte
sich, allerdings etwas früher, auch auf der erdzugewandten Seite abgespielt
haben.
Dies alles geschah nach Ansicht der Forscher vor rund vier Milliarden Jahren und
damit zu einer Zeit, als der Mond noch geologisch aktiv, Kern und Mantel also
noch nicht fest waren. Der Einschlag könnte nicht nur die eigentümliche Mondform
erklären, sondern auch für eine prominente Oberflächenstruktur, den so genannten
"Mann im Mond" verantwortlich sein.
Dieses Mondgesicht besteht aus dunklen Mondmeeren, also mit erkaltetem Magma
gefüllten Mondkratern. Bislang war nicht klar, wie das Magma auf die
Mondoberfläche gelangt ist. Die gewaltigen Einschläge würden eine Erklärung
liefern: Sie könnten einen geologischen "Hotspot" erzeugt haben, wo Magma durch
Brüche in der Kruste an die Oberfläche gelangen kann.
Auch auf der Erde finden sich solche "Hotspots", etwa die Inselkette von Hawaii.
So fragen sich die Forscher aus Ohio jetzt, ob auch für solche noch heute
aktiven "Hotspots" Asteroideneinschläge in der frühen Erdgeschichte
verantwortlich sein könnten. "Sicherlich gab es auch auf der Erde viele
Einschläge", so von Frese. "Zwar sind die Hinweise nicht mehr so deutlich zu
sehen, doch gibt es Hotspots wie Hawaii. Und einige Hotspots haben auch
Entsprechungen auf der anderen Seite der Erde."
Die Wissenschaftler wollen nun diese These durch eine genauere Untersuchung des
Chicxulub-Kraters in Mexiko überprüfen, der durch einen Einschlag vor rund 65
Millionen Jahren entstanden sein soll, der auch als Ursache für das Aussterben
der Dinosaurier gilt.
Erschienen bei: freenet.de am 16. Februar 2006 |
 |