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Millennium-Simulation

Ausschnitt aus der
Millennium-Simulation:
Aus winzigen Dichte-
schwankungen, die nur wenige
Hundert Millionen Jahre nach
dem Urknall vorhanden waren
(oben) entstanden nach über
13 Milliarden Jahren
komplexe Strukturen (unten).
(Bilder: Max-Planck-Institut
für Astrophysik)


Millennium-Simulation

Galaxienverteilung in der
Millennium-Simulation.
(Bild: Max-Planck-Institut
für Astrophysik)

Die Geschichte von 20 Millionen Galaxien

Mit der bislang umfangreichsten kosmologischen Simulation wollen Astrophysiker der Geschichte von Galaxien und Schwarzen Löchern auf die Spur kommen.

Am Anfang war das Universum oberflächlich betrachtet enorm langweilig: Aktuelle Messungen der Mikrowellenhintergrundstrahlung zeigen das All in einem Alter von rund 400.000 Jahre nach dem Urknall und zu sehen ist im Wesentlichen nichts. Die einzigen Strukturen zu dieser Zeit bestanden aus einer sehr schwachen Kräuselung eines ansonsten gleichförmigen Sees aus Materie und Strahlung. Doch aus diesen Kräuselungen, so die Ansicht der Astronomen, entstand  mit der Zeit alles was wir heute im All beobachten: Sterne, Galaxien, Galaxienhaufen und Haufen von Galaxienhaufen.

Zehn Milliarden fiktive Teilchen

Doch es gibt eine Komplikation: Alles was wir heute sehen, stellt gerade einmal fünf Prozent der Materie im Universum dar. Zu etwa 70 Prozent besteht unser Weltall nämlich aus so genannter "Dunkler Energie", einem mysteriösen Kraftfeld, das für eine immer schnellere Expansion des Raums verantwortlich ist. Für ein weiteres Viertel der Masse des Universums dürfte ein neuartiges und bislang noch nicht nachgewiesenes Elementarteilchen verantwortlich sein. Die Forscher fassen diesen Anteil als "Kalte Dunkle Materie" zusammen. Bleiben also rund fünf Prozent für den "normalen" Rest.

Der Antwort auf die Frage, wie aus dieser komplexen kosmologischen Mischung das wurde, was wir heute beobachten, wollte ein internationales Team von Astronomen nun mit der bislang größten Simulation des Universums ein wenig näher kommen. Die im Virgo-Konsortium zusammengeschlossenen Wissenschaftler aus Deutschland, England, Kanada, Japan und den USA entwarfen dazu die "Millennium-Simulation", die mit Hilfe von zehn Milliarden fiktiver Teilchen die Entwicklung der Materieverteilung in einer würfelförmigen Region des Universums mit einer Kantenlänge von mehr als zwei Milliarden Lichtjahren nachbilden soll. Jedes dieser fiktiven Teilchen simuliert dabei eine Masse von etwa einer Milliarde Sonnen. Die Berechnungen sind so komplex, dass sie den leistungsfähigsten Supercomputer der Max-Planck-Gesellschaft in Garching für mehr als einen Monat beschäftigten.

Helle Quasare im jungen Universum

Doch der Aufwand hat sich offenbar gelohnt: Mit der neuen Simulation ist es den Astrophysikern möglich, die Entwicklungsgeschichte von etwa 20 Millionen Galaxien zu rekonstruieren sowie die Entstehung der supermassereichen Schwarzen Löcher. Diese leuchten gelegentlich als helle Quasare im Zentrum von Galaxien auf und wurden beispielsweise mit Hilfe des Sloan Digital Sky Survey (SDSS), eines der größten systematischen Himmelserfassungen zum Studium von Galaxien, entdeckt. Die entfernten Quasare dürften in ihren Zentren Schwarze Löcher mit einer Masse von mindestens einer Milliarde Sonnenmassen beherbergen und das zu einer Zeit, als das Universum weniger als ein Zehntel seines heutigen Alters hatte.

"Viele Astronomen bezweifelten, ob es möglich sei, dies mit dem allmählichen Wachstum der kosmischen Strukturen im Standardmodell zu vereinbaren", erläutert Volker Springel, der Leiter des Millennium-Projekts am Max-Planck-Institut für Astrophysik in Garching bei München. "Als wir aber unser Modell für die Entstehung von Galaxien und Quasaren anwandten, fanden wir, dass sich einige wenige schwere Schwarze Löcher tatsächlich früh genug bildeten, um diese seltenen Quasare erklären zu können. Ihre Muttergalaxien treten in unserer Simulation bereits auf, als das Universum nur ein paar hundert Millionen Jahre alt war. Heute sind sie zu den massereichsten Galaxien im Zentrum von großen Galaxienhaufen geworden."

Und noch etwas zeigte die Simulation: In der heute beobachtbaren Verteilung der Galaxien sollten immer noch die Strukturen der anfänglichen winzigen Unregelmäßigkeiten in der Hintergrundstrahlung sichtbar sein. Die interessantesten Anwendungen der Millennium-Simulation werden allerdings erst noch kommen: "Neue Beobachtungsprogramme geben uns Informationen von noch nie gekannter Genauigkeit über die Eigenschaften von Galaxien, Schwarzen Löchern und der Großraumstruktur des Universums", so Simon White, Direktor am Max-Planck-Institut für Astrophysik. Präzise Simulationen wie die Millennium-Simulation seien daher unerlässlich, um kosmologische Theorien zu überprüfen sowie Beobachtungen auszuwerten.

Erschienen bei: freenet.de am 28. Juni 2005

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  Letzte Überarbeitung: 14.11.2008

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