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Die Herkunft des Sterns
HE0457-5439 (hier eine
künstlerische Darstellung)
ist den Astronomen immer
noch unklar. (Bild: ESO) |
Schneller Stern im Halo Astronomen haben am
Rand unserer Milchstraße einen extrem schnellen Stern entdeckt. Wurde er durch
ein Schwarzes Loch aus einer Nachbargalaxie geschleudert?
Deutsche Astronomen haben mit Hilfe des Very Large Telescope (VLT) der ESO einen
Stern mit einer außergewöhnlich hohen Geschwindigkeit aufgespürt: Das Gestirn
jagt mit 2,6 Millionen Kilometern pro Stunde durch den Halo unserer Galaxie. Wie
er dort hingelangte, ist den Wissenschaftlern noch nicht ganz klar. Sie vermuten
aber, dass der Stern von einem supermassereichen Schwarzen Loch aus einer
Satellitengalaxie der Milchstraße geschleudert wurde.
"Mit dieser Geschwindigkeit würde er weniger als eine Minute für die Umrundung
der Erde brauchen", erklärt Uli Heber von der Dr.-Remeis-Sternwarte in Bamberg
und dem Centre for Astrophysics Research der University of Herfordshire. Der
junge, massereiche und heiße Stern wurde im Rahmen des Hamburg/ESO Sky Survey im
Halo unserer Milchstraße in Richtung des Sternbilds Schwertfisch entdeckt.
"Dies ist ein wirklich ungewöhnlicher Platz für einen solchen Stern", betont
Ralf Napiwotzki, der auch zum Entdeckerteam gehört. "Unsere Daten, die wir mit
dem UVES-Instrument am VLT gewonnen haben, deuten darauf hin, dass der Stern
relativ jung ist und eine ähnliche chemische Zusammensetzung wie unsere Sonne
hat." Durch diese Messungen konnten die Astronomen auch die extrem hohe
Geschwindigkeit ermitteln.
Diese erklärt zumindest, wieso ein Stern mit einer ähnlichen Zusammensetzung wie
unsere Sonne im Halo unserer Galaxie zu finden ist: Er wurde nicht dort geboren
und ist quasi nur auf der Durchreise. Halosterne weisen nämlich normalerweise
eine andere chemische Zusammensetzung auf als die Sterne in der Scheibe unserer
Milchstraße, wo sich auch unsere Sonne befindet.
Doch woher stammt der Stern? Um auf die beobachtete Geschwindigkeit zu kommen,
müsste er, so vermuten die Astronomen, von einem supermassereichen Schwarzen
Loch ins All katapultiert worden sein. Dass dies möglich ist, haben
Computersimulationen gezeigt: Nähert sich ein Doppelstern einem solchen
massereichen Schwarzen Loch, so kann einer der beiden Sterne in das Schwarze
Loch hineinfallen, während der andere weggeschleudert wird. Könnte der Stern
also aus dem Zentrum der Milchstraße kommen, in dem sich ein solches
massereiches Schwarzes Loch befindet?
Hinausgeschleudert aus der Magellanschen Wolke?
"Als wir ausgerechnet haben, wie lange der Stern brauchen würde, um vom Zentrum
unserer Galaxie zu seiner jetzigen Position zu gelangen, stellte sich heraus,
dass dies drei Mal länger gedauert hätte, als der Stern alt ist", beschreibt
Heber das Dilemma der Wissenschaftler. "Entweder ist der Stern also älter als er
aussieht, oder aber er wurde woanders geboren und beschleunigt."
HE0457-5439, so der offizielle Name des Sterns, befindet sich zurzeit näher an
einer Satellitengalaxie der Milchstraße, der so genannten Großen Magellanschen
Wolke, die 160.000 Lichtjahre von uns entfernt ist. Von dort, so die Ansicht der
Forscher, könnte der Stern bequem und in einer Zeit, die seinem Alter
entspricht, an den jetzigen Ort katapultiert worden sein. Damit müsste aber auch
die Große Magellanschen Wolke über ein massereiches Schwarzes Loch verfügen, was
bislang noch nicht entdeckt wurde. Ist HE0457-5439 also ein erster Hinweis
darauf?
Die Astronomen haben noch eine zweite Theorie: Der Stern könnte tatsächlich aus
dem Zentrum unserer Milchstraße stammen, allerdings älter sein als es den
Anschein hat: Dazu müsste es sich bei dem Stern um das Produkt einer
Verschmelzung von zwei masseärmeren Sternen handeln. Um diese "Verjüngung"
möglich zu machen, würde das Szenario allerdings erhebliches "Feintuning"
benötigen. Die Forscher planen neue Beobachtungen, um die Herkunft dieses
ungewöhnlich schnellen Sterns zweifelsfrei klären zu können. Erschienen bei: freenet.de am
15. November 2005 |
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